Die schnelle Antwort: Ursache eingrenzen, bevor Sie Geld ausgeben
Langsames WLAN im Büro hat fast immer eine von fünf Ursachen: eine ausgelastete Internetleitung, zu wenige oder schlecht platzierte Access Points, überlappende Funkkanäle, Repeater, die den Durchsatz halbieren, oder alte Endgeräte, die das ganze Netz ausbremsen. Welche davon bei Ihnen zutrifft, zeigen drei einfache Tests: Vergleich zwischen Kabel und Funk, eine Karte der Signalstärke und ein Blick auf die Auslastung der Kanäle. Erst danach lohnt sich die Entscheidung, was angeschafft werden soll.
Test 1: Liegt es an der Leitung oder am Funk?
Der wichtigste Test dauert zehn Minuten und wird trotzdem oft übersprungen. Schließen Sie ein Notebook per Netzwerkkabel direkt am Router oder an der Firewall an und messen Sie die Geschwindigkeit, zum Beispiel mit dem Speedtest Ihres Providers. Danach messen Sie mit demselben Gerät per WLAN, einmal direkt neben dem Access Point und einmal am betroffenen Arbeitsplatz.
So lesen Sie das Ergebnis:
- Schon per Kabel langsam: Das Problem liegt bei der Internetleitung, am Router oder an einer Last im Netz, etwa einer Cloud-Synchronisation oder einem Backup, das tagsüber läuft. Ein neues WLAN ändert daran nichts.
- Per Kabel schnell, neben dem Access Point per WLAN auch schnell, am Arbeitsplatz langsam: Abdeckung oder Störungen sind das Thema.
- Überall per WLAN langsam, auch direkt daneben: Kanalwahl, Überlastung des Access Points oder veraltete Einstellungen, etwa ein erzwungener Kompatibilitätsmodus für uralte Geräte.
Wiederholen Sie die Messung zu verschiedenen Tageszeiten. Ein WLAN, das um 7:30 Uhr tadellos läuft und um 10:00 Uhr einbricht, hat ein Lastproblem, kein Reichweitenproblem.
Test 2: Wie gut ist die Abdeckung wirklich?
Die Signalstärke wird in dBm angegeben, je näher an null, desto besser. Für die Praxis genügen diese Richtwerte:
| Signalstärke | Bewertung | Was damit geht |
|---|---|---|
| -30 bis -55 dBm | sehr gut | alles, auch große Dateien und mehrere Videocalls |
| -56 bis -67 dBm | gut | Videocalls und Cloud-Arbeit stabil |
| -68 bis -75 dBm | grenzwertig | Mails und Surfen, Videocalls ruckeln |
| schlechter als -75 dBm | unbrauchbar | Abbrüche, ständige Neuverbindungen |
Mit Programmen wie NetSpot oder inSSIDer auf dem Notebook oder einer WLAN-Analyse-App auf einem Android-Smartphone gehen Sie das Büro Raum für Raum ab und notieren die Werte an jedem Arbeitsplatz. Professionelle Werkzeuge wie Ekahau erzeugen daraus eine Heatmap, für ein Büro mit 20 Plätzen reicht aber oft ein Grundriss mit handschriftlichen Zahlen.
Typische Befunde: ein einzelner Access Point im Gang, dicke Altbaumauern, eine Glaswand mit Metallbeschichtung, ein Aktenschrank aus Stahl direkt vor dem Gerät. Auch der Klassiker kommt häufig vor: Der Router des Providers steht im Technikraum im Keller, während das Büro im ersten Stock liegt.
Test 3: Wer funkt sonst noch mit?
Besonders im städtischen Umfeld teilen Sie sich die Funkkanäle mit Nachbarbüros, Wohnungen und Geschäften im selben Haus. Im 2,4-GHz-Band gelten in der Praxis nur drei Kanäle als überlappungsfrei, meist 1, 6 und 11. Wer auf Kanal 3 oder 9 funkt, stört gleich zwei Nachbarn und wird selbst von beiden gestört.
Das 5-GHz-Band bietet deutlich mehr Kanäle und ist für Büros fast immer die bessere Wahl. Allerdings reicht es weniger weit durch Wände, und einige Kanäle müssen bei Radarsignalen automatisch gewechselt werden, was kurze Unterbrechungen verursachen kann. Neuere Geräte mit Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7 nutzen zusätzlich das 6-GHz-Band, das derzeit noch wenig belegt ist, aber nur von aktuellen Notebooks und Smartphones unterstützt wird.
Die Analyse-Apps aus Test 2 zeigen auch, welche Netze auf welchen Kanälen senden. Wenn Sie 15 fremde Netze auf Kanal 6 sehen, wissen Sie, warum es ruckelt.
Die häufigsten Fehlkäufe
Wer ohne Messung einkauft, landet oft bei einer dieser Lösungen:
- Der stärkere Router: Mehr Sendeleistung hilft nur in eine Richtung. Notebooks und Handys senden weiterhin schwach zurück, die Verbindung bleibt einseitig.
- Noch ein Repeater: Ein Repeater, der per Funk angebunden ist, muss jedes Datenpaket zweimal übertragen. Der verfügbare Durchsatz sinkt dadurch spürbar, bei mehreren hintereinander geschalteten Repeatern drastisch.
- Wi-Fi 7 für alte Geräte: Der neue Standard bringt nur etwas, wenn auch die Endgeräte ihn beherrschen. Ein Büro voller Notebooks von 2018 profitiert davon kaum.
- Consumer-Mesh für 25 Arbeitsplätze: Solche Systeme sind für Wohnungen gedacht. Für Büros fehlen oft eine zentrale Verwaltung, getrennte Netze für Gäste und eine brauchbare Protokollierung.
Die bessere Lösung ist in den meisten Büros schlicht: mehrere Access Points, per Kabel angebunden, über einen Controller zentral verwaltet, zum Beispiel mit UniFi, TP-Link Omada, Aruba Instant On oder Meraki.
Ein zusätzlicher Access Point am richtigen Ort und mit Kabelanbindung bringt meist mehr als jedes teure Gerät am falschen Platz.
Ein Beispiel aus einem Altbau
Angenommen, eine Werbeagentur in Wien-Neubau arbeitet mit 18 Personen auf zwei Etagen eines Gründerzeithauses. Es gibt einen Router des Providers im Vorzimmer und zwei Repeater, die jemand irgendwann gekauft hat. Große Grafikdateien werden über die Cloud geteilt, Videocalls mit Kunden brechen regelmäßig ab.
Die Messung zeigt: Per Kabel liefert die Leitung die vollen vertraglich vereinbarten Werte. Im oberen Stock liegt das Signal bei -74 dBm, weil die Repeater selbst am Rand der Reichweite hängen. Alle drei Geräte funken im 2,4-GHz-Band auf Kanal 6, gemeinsam mit elf Nachbarnetzen. Und ein Notebook sichert täglich um 10:00 Uhr mehrere Gigabyte in die Cloud.
Die Lösung besteht aus drei Maßnahmen: zwei Access Points an bereits vorhandenen Netzwerkdosen, 5 GHz als bevorzugtes Band und eine Datensicherung, die erst am Abend läuft. Montage und Anschluss übernimmt ein Elektrobetrieb aus der Nachbarschaft, die Konfiguration erfolgt per Fernwartung. Die Ausgaben bleiben überschaubar, und die Agentur hat erstmals ein WLAN, das auch im oberen Stock trägt.
Fazit: Messwerte statt Bauchgefühl
Bevor Sie Hardware kaufen, lassen Sie messen oder messen Sie selbst: Kabel gegen Funk, Signalstärke an jedem Platz, Belegung der Kanäle. Damit ist die Ursache in den meisten Büros klar, und der Einkauf wird gezielt statt geraten.
Wenn Sie diese Arbeit abgeben möchten, übernehmen wir die Netzwerkanalyse per Fernzugriff auf Ihren Controller oder Router, gemeinsam mit einer Person aus Ihrem Team, die vor Ort die Messungen mit dem Notebook durchführt. Damit das Netz auch nach der Verbesserung stabil bleibt, lohnt sich ein laufendes Netzwerk-Monitoring, das überlastete Access Points und Ausfälle meldet, bevor sich jemand beschwert.
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Infrastruktur und Netzwerk